Warum zwei Katzen statt nur einer?


Nach 40 Jahren leben für und mit Katzen - Hundertschaften vermittelte, herrenlose und junge Katzen miteingeschlossen - nach zwei Jahrzehnten Katzensorgentelefon, bin ich überzeugter denn je, dass es für Katzen und ihre Menschen nicht nur besser, sondern richtig ist, von Anfang an zwei Tiere in die Familie aufzunehmen. Bei ausschliesslicher Wohnungshaltung ist es sogar ein MUSS!

Wenn man ganztags berufstätig ist, grenzt Einzelhaltung, vor allem bei einer jungen Katze, an Tierquälerei. Auch wenn man Mittags nach Hause kommt, reicht das nicht. Der Mehraufwand an Arbeit und Kosten für zwei Tiere ist kaum der Rede wert. Einzelhaltung in einer Wohnung wäre eventuell praktikabel, wenn es sich um eine eher ruhige Katze, über sechs Jahre, handelt.

Da Katzen am häufigsten in den ersten zweieinhalb Jahren ihres Lebens (75% aller schweizer Katzen) verschwinden und umkommen, macht es Sinn, sie in dieser Zeit als reine Wohnungskatzen zu halten, auch wenn man ein Haus hat, aber WENIGSTENS bis zur Kastration.
Wichtig ist, dass man ihnen das "nur in der Wohnung leben" so abwechslungsreich, so nah an dem was sie draussen erleben würden, gestaltet. Ein Punkt dieses Normalen ist eben eine zweite Katze.

Sie bewegen sich mehr bis ins hohe Alter, was Verstopfungen vorbeugt und generell der Gesundheit zuträglich ist.
Gegenseitige Körperpflege, Katzenzärtlichkeit untereinander, gemeinsame Spiele, die ruhig auch mal zu einer Rauferei ausarten können und auch dürfen, bereichern das Leben der Wohnungskatze.
Gleichzeitig entlasten sie, wenn sie sich miteinander beschäftigen, unser schlechtes Gewissen, weil wir in der Regel viel zu wenig Zeit für unsere Katzen aufbringen, aus welchen Gründen auch immer.

Mit dem immer noch weitverbreiteten Irrglauben, dass zwei Katzen sich hauptsächlich miteinander beschäftigen, möchte ich nachdrücklich aufräumen. Das stimmt nur so lange wie ihr Mensch nicht anwesend ist oder keine Zeit für sie hat. Sobald er sich ihnen zuwendet, ist er der Mittelpunkt, die Hauptperson. Katzen lieben Menschen mehr als ihresgleichen. Warum das so ist weiss niemand, aber es ist so.

Was ich immer wieder feststelle, ist der verständliche aber traurige Umstand, dass die meisten Menschen die zweite Katze erst ein oder anderthalb Jahre nach der ersten ins Haus holen. Verständlich deshalb, weil sich viele Leute mit gleich zwei Katzen überfordert glauben. Besonders traurig, wenn es sich um eine ganz kleine Katze handelt. Die Kleinen brauchen am dringendsten das Spiel und die Auseinandersetzungen, das Kräftemessen mit einem zweiten Tier um fit fürs Leben zu werden. Jungtiere müssen sich zum schlafen an ein Geschwisterchen oder einen ungefähr gleichaltrigen Spielgefährten, anstelle der Mutter, kuscheln können.

Wenn sie in einem Haus oder einer Parterrewohnung leben, ohne eine Hauptverkehrsstrasse direkt vor der Haustür und dadurch den Katzen Freilauf bieten können, sollten sie trotzdem aus verschiedensten Gründen von Anfang an zwei Katzen zu sich nehmen und sie vom ersten Tag an ganz konsequent, liebevoll und sehr häuslich erziehen. Das funktioniert mit zwei Katzen problemlos. Halten sie sie das erste, oder noch besser, die ersten zwei Jahre, aber wenigstens bis zur Kastration, als reine Wohnungskatzen ohne Auslauf.
Grundsätzlich gilt, je älter die Tiere werden, wenn sie sie gut kennen, können sie die Verbote langsam und vorsichtig lockern.

Die ersten 2 ½ Lebensjahre probieren sie draussen alles aus, machen einen Blödsinn nach dem anderen, sind zu vertrauensselig gegenüber Fremden und bringen sich dadurch dauernd in Lebensgefahr. Auch wenn sie scheinbar noch so idyllisch wohnen, verlassen sie sich lieber nicht darauf, dass sie das Paradies für Katzen entdeckt haben, es könnte für sie sehr schnell ein böses Erwachen geben. Dann nämlich, wenn die erste Katze spurlos verschwunden, vergiftet, verstümmelt ist oder überfahren wurde. Das ist die heutige Realität.

Als Wohnungskatzen gehaltene Katzen sind nicht unglücklich, im Gegenteil, die Bindung an die Familie wird viel enger und intensiver. Sie müssen sich nur vorstellen, sie liessen ihre Kinder kommen und gehen wie es ihnen passt. Sie würden früher oder später unzuverlässig, würden bis zu einem gewissen Grad "verwildern".

Richten sie den Tieren, wenn die Räumlichkeiten es erlauben, ein Katzenzimmer oder ein Auch-Katzenzimmer ein. (Büro, Bastelraum, Bügelzimmer u.s.w.) Selbstverständlich muss das "Katzenzimmer" entsprechend vorbereitet und ausgestattet sein. Eine Katzentoilette, besser wären allerdings zwei, ein ca. 180 - 200 cm hoher, stabiler Kletterbaum, der zwei Hängematten (durchhängende Liegeplätze) besitzt und mit 3 Säulen stabil gestützt ist.
Futterplatz auf einem Tablett und Wasserschüssel in einem Plastikbecken, dass, wenn sie darin spielen und die Schale kippt, nicht das ganze Zimmer unter Wasser steht. Evtl. Schlafkörbe, alter Puppenwagen, Kartonschachteln, Einkaufstüten (Henkel müssen abgeschnitten werden!) und Spielzeug vervollständigen die Einrichtung.

Wenn Ihnen das übermütige Toben zuviel wird, ihre Nerven anfangen blank zu liegen, können sie sie für einige Zeit in ihr Zimmer (wie Kinder ins Kinderzimmer) schicken. Wenn abends das letzte Familienmitglied ins Bett geht, bringt man sie in "ihr" Zimmer zum schlafen und schliesst die Tür. Solange sie noch zuviel Unfug machen, kann man sie auch in ihr Zimmer tun wenn niemand zu Hause ist.

In "ihrem" Zimmer sollten sie auch wenigstens die erste Woche nach ihrer Ankunft eingewöhnt werden. Jedes Tier bewohnt ja mit seiner Mutter auch erst einmal einen begrenzten Raum, die Höhle oder Ähnliches, das vermittelt ihnen Geborgenheit und Sicherheit. Als zweiten Schritt könnte man, wenn niemand zu Hause ist, ihnen "ihr" Zimmer, Küche, Flur und Bad zur Verfügung stellen.

Mit zuviel Raum gleich am Anfang überfordern sie die Tiere. Zum Beispiel sollte das Schlafzimmer erst einmal Tabu sein, bis man sich richtig kennt. Auch dann sollte man es sich überlegen, eine Allergie hat man schnell und einen Rausschmiss aus dem Schlafzimmer quittiert ihnen ihre Katze unter Umständen mit Unsauberkeit.

Wohlgemerkt, das alles bezieht sich auf zwei Katzen, die sich miteinander haben. Ein schlechtes Gewissen, wenn man Katzen liebevoll aber konsequent und vernünftig erzieht, ist fehl am Platz.


Copyright Isabella R. Kern