Er ist das Schwergewicht unter meinen Katzen. Eine Nachbarin hat ihn einmal als Bernhardiner im Katzenformat bezeichnet. Ein Vergleich, der wirklich passt. Am 18.1.95 hat ihn seine Vorbesitzerin im Katzenhof abgegeben. Grund: Wohnungswechsel. Was sie nicht gesagt hat, dass er wie ein Weltmeister beisst und zwar wirklich beisst, nicht liebevoll schnappt, zwickt oder knabbert. Am Anfang hatte ich regelrecht Angst vor ihm. Irgendwann wurde ich dann tapferer, lernte mit ihm umzugehen. Jedesmal wenn er Anstalten machte, mich zu beissen, gab ich ihm ein paar hinter die Löffel. Meine Erziehungsmethode war ein voller Erfolg.
Ich wurde nicht mehr gebissen, dafür jeder Besucher, der den vermeintlich lieben Kater ahnungslos streichelte.

Seine zweite Unart, er pinkelt bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, wenigstens 2 Mal pro Woche, irgendwohin! Das tut er bis heute.

Wenn Tombadil nach Zuwendung ist, entkommt man ihm nicht. Er reisst einen mit ausgefahrenen Krallen an den Haaren, zerrt am Arm und unterstreicht das ganze mit einem fordernden Miau, mehr einem ungehaltenen Aääh. Andererseits ist er ein liebevoller Onkel für alle jungen Katzen, die auf den Katzenhof kommen. Die Kleinen dürfen wirklich alles mit ihm machen, sogar ihm sein geliebtes Futter wegessen, auf ihm herumturnen, auf, unter und neben ihn gekuschelt auf seinen Lieblingsplätzen mit ihm schlafen.

Tombadil liebt es, alle zwei Wochen einen neuen Lieblingsplatz zu haben. Das kann eine viel zu kleine Kartonschachtel sein, je winziger desto besser, er quillt dann über alle Ränder. Eine leere Papiertüte, die für einen Moment in der Küche auf der Arbeitsfläche liegengeblieben ist. Ein Tragsack mit abgeschnittenen Henkeln, den ich eigentlich für die jüngeren Katzen zum Spielen auf den Boden geworfen habe. Ein ganz kleiner Brotkorb, mit Serviette, der nach dem letzten Frühstück stehen geblieben ist. Wäschekörbe, die ich für kurze Zeit auf einem Tisch stehen lasse, leer, halbvoll oder voll mit sauberer oder schmutziger Wäsche usw. usw.

Tombadil stiehlt wie ein Rabe. Vor ihm ist wirklich nichts sicher, er kann Gefässe und Schränke öffnen, deckt Töpfe ab und klaut während des Bratens ein ganzes, knallheisses Huhn und schleppt es ganz schnell in den Keller um es in Ruhe aufessen zu können.

Da kein Mensch freiwillig einen bissigen, pinkelnden, penetrant aufdringlichen Kater nimmt, ist er, mittlerweile 16 Jahre alt, immer noch auf dem Katzenhof und er wird es auch bleiben.

© Isabella R. Kern