Peter Pan, geb. ca. Mai 98


Mit 10 Monaten, am 27.3.99, kam Peter-Pan auf den Katzenhof. Er ist auf beiden Augen fast blind, ist in Italien in einem verwilderten Garten auf die Welt gekommen. Als ihn meine italienische Kollegin entdeckte, war er ca. 5 Monate. Weitgehend verwildert und entsprechend vorsichtig und scheu. Seine Augen waren bereits so geschädigt, dass es für eine Behandlung und Heilung viel zu spät war. Ihn einzufangen war ein hartes Stück Arbeit, er wollte und wollte trotz offensichtlichem Hunger nicht in die Falle gehen.

Die ersten Wochen mit Peter-Pan auf dem Katzenhof werde ich nie vergessen! Es tat weh, mitanzusehen, wie er sich um Orientierung bemühte. Auf dem Boden ging es ganz gut, sobald er auf Tische oder Stühle stieg, schien er Schwierigkeiten zu haben. Peter-Pan sass z.B. häufig und gern auf einem Korbsessel mit breiter Rückenlehne, der mitten im Raum steht. Er tastete dann, mal mit der linken, mal mit der rechten Vorderpfote ins Leere. Das ging einige Zeit so, mir war ganz elend zu Mute, ich machte mir grosse Sorgen. Aber bereits in der zweiten und dritten Woche bewegte er sich ruhig und sicher im ganzen Haus. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Als er kam war er ziemlich schreckhaft und scheu, auch das besserte sich zusehends.

Wir hatten Frühling, der naturgemäss langsam in den Sommer, mit immer mehr schönen, warmen Tagen, übergeht. Ich konnte und wollte ihm meinen 4000 qm grossen, verwilderten Garten, mit all den abenteuerlichen Möglichkeiten für eine Katze, nicht vorenthalten. Mir war selbstverständlich klar, dass es ein Wagnis war. Ich nähte ihm ein 2 ½ cm breites, komplett elastisches, eng am Hals anliegendes Halsband mit ganz gross geschriebener Telefon-Nummer darauf. Um ihn an das Band zu gewöhnen, trug er es schon eine ganze Woche, im Haus, vor dem grossen Ereignis. Ich wählte bewusst für Peter-Pans ersten Ausflug einen Schlechtwettertag. In der Regel lieben es Katzen nämlich ganz und gar nicht, an Regentagen lange draussen herumzuspazieren. Ausserdem gab ich ihm vorsichtshalber am Morgen nur ganz wenig zu essen, der Hunger sollte ihn nach Hause treiben.

Von Anfang an war mir klar, dass Peter-Pan ein ganz besonderer Kater ist. Er bewies es wieder einmal an diesem besagten Tag des ersten Ausflugs. Durch den Luftzug bemerkte er sofort die, von mir, geöffnete Tür in den Garten. Vorsichtig und sehr aufmerksam schritt er nach draussen. Dauernd mit dem Kopf nickend stand er da und versuchte, das Neue und die Umgebung zu erfassen. Dieses Kopf Hoch- und Herunterbewegen macht er auch heute noch, z.B. wenn neue Menschen ins Haus kommen und er sich ein Bild von ihnen machen will. Er war in dem grossen Garten sehr schnell heimisch, entfernt sich bis heute nie weit vom Haus.
Peter-Pan liebt den Garten wie kaum eine andere meiner Katzen. Er ist der einzige, der im Sommer auch nachts heraus darf, weil ich weiss, dass er viel zu klug ist, sich in Gefahr zu bringen. Man kann vor’s Haus treten, zu jeder Tag- und Nachtstunde, er ist immer da.

Peter-Pan ist eine glückliche Katze, schwarz mit einem Fell glänzend wie Seide, hochbeinig, schlank und elegant, liebenswürdig zu jedem Lebewesen. Er war 2 Mal vermittelt, wie ich glaubte, an liebe, verständnisvolle Menschen. Jetzt bleibt er auf dem Katzenhof, einem nochmaligen Versuch setze ich ihn nicht aus. Trotzdem ich grosse Sorgen habe, ob ich mit meinen 66 Jahren so lange durchhalten kann, bis er eines natürlichen Todes stirbt.

© Isabella R. Kern