Nuvola


Seit Montag, 8. September bin ich glückliche Mitbewohnerin des Daheims von Nuvola, jener Katze, die nicht einfach "den Wohnsitz" vom Katzenhof Boppelsen nach Freienstein verlegt hat, sondern mein Haus und die Herzen aller Zwei- und Vierbeiner, die darin ein- und ausgehen, mit wehenden Fahnen eingenommen hat.
(Ja - sie duldet mich in "ihrem" neuen Heim :-) )

Wie bereits Gina, die ich im Sommer 2003 vom Katzenhof zu mir holte, traf Nuvola in einen Haushalt, wo bereits eine Katze heimisch war, die ihr Revier entsprechend zu verteidigen gewillt war.


Nach durchwegs positiven Erfahrungen bei der Eingewöhnung von Gina vor 5 Jahren habe ich den Leitfaden von Frau Kern nochmals studiert, meine alte Gittertür aus dem Keller geholt und installiert und das "Babyzimmer" mit Kissen, Körben, Spielzeug und allem was ein Katzenherz vermutlich begehren mag ausgestattet.

Die spezielle Raumaufteilung meines Hauses erlaubte es, die Gittertüre so raumtrennend in eine Schiebetür zu integrieren, dass zu beiden Seiten der "Drahtgrenze" ein breites Fensterbrett mit 2 Liegekissen für die Katzen platziert werden konnte. In der ersten Woche habe ich die beiden Kissen täglich "getauscht", so dass die Katzen sich an den gegenseitigen Geruch gewöhnen konnten.
Nebst dem, dass sich das Gezänk und Gefauche der beiden Stubentiger so im Rahmen hielt schützte ich auch meinen gesamten Haushalt (und v.a. meine Nerven) vor Nuvolas Entdeckungsdrang, der zwischenzeitlich enorme Ausmasse annimmt.
Nach einer Woche habe ich festgestellt, dass das Gefauche im selben Mass abnahm wie die scheue Kontaktaufnahme durch's Gitter zunahm. Ich habe dann in der Zeit, wo ich zugegen war, die Tiere zusammengelassen - und staunte nicht schlecht, dass das genauso problemlos verlief wie vor 5 Jahren bei Gina. (Gina selber gilt im Quartier als dominante, teilweise sogar aggressive Katze. Ihr "erstes", leider verstorbenes Gspänli trat vor 5 Jahren sehr unsicher auf und räumte das Feld bereitwillig für den kleinen Rabauken.)
Ich liess in der Folge (ab der 2. Woche) die Katzen also immer frei im Haus herumlaufen, wenn ich zugegen war (wobei Gina ins Freie fliehen konnte, wenn's ihr zu viel wurde) und sperrte die Kleine über Nacht und wenn ich an der Arbeit war wieder in ihr Zimmer. Wenn ich Nuvola aus ihrem Paradies befreite liess ich zeitgleich Gina in den kontrollierten Auslauf (ca. 2 Stunden - dann kommt sie von selber zurück) - in dieser Zeit spielte ich intensiv mit Nuvola und nahm ihr die gröbste Energie, die sonst wohl Gina hätte ertragen müssen.


 

Nicht schlecht staunte ich letzten Sonntag, als sich die beiden Miezen einen sonnenbeschienenen Fleck auf dem Fensterbrett der Stube teilten. Einträchtig beieinander liegend und friedlich dösend. Auch das Futter wird direkt nebeneinander eingenommen, und wenn Nuvola neugierig in Ginas "Topf" guckt um zu sehen, ob dort etwas Besseres schmort, so wird das von der sonst sehr dominanten Gina gutmütig toleriert.
Was ich daraus für Lehren ziehe? Es lohnt sich, den Tieren das zu geben, was wir uns auch wünschen würden: Raum und Zeit, den neuen Mitbewohner langsam kennenlernen zu können, aus Distanz zu beobachten und nicht einfach "überfahren" zu werden. Ja, es ist etwas hart, die neue Katze "auszugrenzen" - aber es lohnt sich für die Grundsteinlegung einer guten Basis. Ausserdem war ich selber in der "Drahtgitterphase" für Nuvola auch noch eine Fremde - und sie war sich regelmässige Zärtlichkeiten durch mich noch nicht gewöhnt und vermisste demzufolge die Nähe vermutlich sogar weniger als ich.
Ich hoffe von Herzen, dass die Freundschaft, die sich zwischen meinen beiden Katzen anzubahnen scheint, sich so positiv weiter entwickelt. Und wünsche allen, die diese Zeilen lesen genau so viel Freude mit ihren Stubentigern wie ich sie mit den meinen habe.





Copyright B. Rösch