Über das Zusammenwachsen von Katze und Mensch


Mit mir zusammen leben seit 2.75 Jahren zwei sehr verschiedene Katzen-Schwestern mit Namen Kiri und Nuraj. Ich möchte hier kurz die komplett unterschiedlichen Persönlichkeiten der beiden Schwestern beschreiben.

Kiri ist bekannten Personen gegenüber sehr offen und freundlich, ist aber oft sehr übermütig, masslos, manchmal durch Ungeschicktheit etwas grob (vor allem zu ihrer Schwester) und nicht die geschickteste


und cleverste Katze. Sie macht andauernd komische Geräusche und "spricht fast den ganzen Tag mit sich selbst". Bekannte haben schon gesagt, dass dies ein Hund im Katzenpelz ist. Sie aportiert gerne Äste, geht ohne Kommando fürs Leben gerne "bei Fuss" (habe ich ihr beides nicht beigebracht) und klaut den Nachbarn Himbeeren vom Strauch, die sie danach selber frisst! Da sie sehr verfressen ist, ist sie momentan auf Diät!

Nuraj ist eher zurückhaltend, mir gegenüber aber einfach nur sehr sanft und extrem liebesbedürftig. Sie ist ein kleines "Sensibelchen". Nuraj ist sehr geschickt und (im Gegensatz zu Kiri) clever genug,


Verbotenes nicht vor meinen Augen zu tun. Von den beiden scheint Nuraj die unterlegene Katze zu sein, die im Falle einer Auseinandersetzung zurücksteht und Kiri zu verstehen gibt "dann mach doch was du willst, lass mich einfach in Ruhe!".

Ich bekam die beiden im Alter von 10 Monaten


und hatte mir davor viele Gedanken darüber gemacht, was ich meinen Katzen bieten können muss/will und welche Regeln ich durchsetzen muss/will. Wie genau ich diese Regeln dann durchsetzen würde, konnte ich mir jedoch noch nicht vorstellen, da ich bis dahin nie selber Katzen gehabt habe. Dank guten Tips von Frau Kern und ganz viel Konsequenz (die nicht einfach war) habe ich es geschafft, meinen sehr lieben, halbstarken Vierbeinern beizubringen, dass der Esstisch eine Tabuzohne ist, sie mein Sofa nicht zerlegen sollen und sie auch auf der Küchenabdeckung nichts verloren haben. ;-)

Kiri (schwarz/weiss) war von Anfang an sehr zutraulich, und hat sich sehr schnell wohl gefühlt bei mir. Sie hat mich im Katzenhof durch ihre spontane Umarmung beim Aufheben ausgewählt, und nicht etwa ich sie.. Bei Nuraj (tiger/weiss) war es etwas anders. Zwar hatte ich immer das Gefühl, dass es ihr bei mir gefällt, doch war sie nicht die Katze, die "irgendetwas" verlangt hätte. Mit "irgendetwas" meine ich Streicheleinheiten, Futter, Spiel usw. Zwar hat sie alles, was ich ihr angeboten habe dankend angenommen und sich auch schon sehr schnell zum Streicheln auf den Rücken gelegt, doch irgendwie war sie trotz allem immer irgendwie reserviert.

Wenn ich jetzt nach diesen 2.75 Jahren zurückblicke, bin ich mit meiner damaligen Entscheidung für genau diese beiden Katzen sehr glücklich. Ich finde es auch nach dieser langen Zeit immer wieder erstaunlich, wie sich gewisse Verhaltensmuster der beiden noch immer verändern, und wie beide durch das gesteigerte Vertrauen zu mir immer offener werden und wir immer mehr zusammen wachsen. Sehr erfreut war ich darüber, wie gut sie beide meinen Freund aufgenommen haben. Verstehen Sie mich nicht falsch, es waren nie "scheue Katzen", es waren einfach junge, neugierige Katzen mit ein "paar Eigenheiten". Wenn man im Katzenhof Katzen auswählt, wird man zwar einige interessante und wichtige Details erfahren durch Frau Kern, doch eigentlich weiss man nicht richtig, was man genau nach Hause trägt. Das stellt sich dann erst im Laufe der Zeit heraus und dann müssen sich beide Parteien (Katzen und Menschen) mit den Eigenheiten des anderen arrangieren und Vertrauen zueinander aufbauen.

Ein Beispiel für das gesteigerte Vertrauen von Kiri ist, dass sie sich (obwohl sie sonst extrem verschmust ist) erst seit kurzer Zeit komplett auf den Rücken legt, um sich von mir am Bauch streicheln zu lassen... Früher hat sie das zwar auch manchmal gemacht, aber dann beim kleinsten unbekannten Geräusch mit ausgefahrenen Krallen nach dem nächsten Gegenstand geschlagen, und das war dann meine Hand. Nun macht sie das nicht mehr und geniesst es in vollen Zügen. Bei Nuraj ist es sogar noch viel extremer. Zu Beginn war ich mir nicht einmal bewusst, dass diese Katze überhaupt miauen und richtig laut schnurren kann. Sie hat nur stumm gemiaut ohne einen Ton zu machen (also den Mund bewegt)... Unterdessen hat sie aber entdeckt, dass sie damit etwas erreichen kann, seien das zusätzliche Streicheleinheiten, Aufmerksamkeit, Futter, oder Unterhaltung. Seit ganz kurzem läuft sie mir immer mal wieder quer durch die Wohnung nach, wenn sie das Gefühl hat, dass sie genau JETZT verkuschelt werden muss und dass das auf keinen Fall warten kann;-).

Nun habe ich das Gefühl, dass die beiden komplett bei mir angekommen sind und hoffe, dass das gemeinsame Glück noch lange anhällt. Ich bin mir sicher, dass sich ihr Verhalten in Zukunft noch weiter verändern wird und genau das macht das gegenseitige Zusammenleben nur noch interessanter.

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