Ike & Karlchen



Liebe Frau Kern
Nun wohnen Karlchen und Ike seit fünf Wochen bei uns. Beiden geht es prächtig. Sie essen wie die Weltmeister - vor allem Karlchen. Halb so gross wie Ike leert er sein Schälchen doppelt so schnell wie sie. Wir halten es mit dem Essen genauso, wie Sie es uns geraten haben. Morgens bekommen Karlchen und Ike eine Portion Trockenfutter, abends bekommen beide je ein Beutelchen Nassfutter. Und wenn der Hunger ganz gross ist, geben wir Ihnen hin und wieder auch je eineinhalb Beutel. Je nachdem. Tatsächlich haben wir das Gefühl, uns bereits zusammengelebt und unsere Routinen aufeinander abgestimmt zu haben:
Am Morgen Um sechs Uhr morgens öffnet Joachim den beiden das Türchen in unser Reich. Dann kommen sie auf noch schlaftrunken wackeligen Pfötchen aus ihrer Katzenecke die Treppe herunter, blinzeln uns aus halboffenen Äuglein entgegen und reiben ausgiebig ihre Köpfchen an unseren Beinen. Wenige Streicheleinheiten später erfreuen sich die beiden an ihrem Frühstück. Joachim verschwindet ins Morgentraining und ich gehe ins Bad. Da bin ich dann aber nicht lange alleine. Habe ich die Badezimmertür "versehentlich" geschlossen, höre ich Karlchen kläglich miauen. Alles klar, Badezimmertür schnell öffnen. Ike - die Schnellere von den Beiden - kommt schwupps reingehüpft, dicht gefolgt von Karlchen. Ike hüpft aufs WC, direkte Verbindung zum Lavabo, Zielgerade zum Wasserhahn. Der ist ihr Ziel und von grösstem Interesse ist das Wasser. Schauen ja, anfassen nein. Ikes Motto, wenn es um fliessendes Wasser geht.


Das Waschbecken ist definitiv Ikes Morgenglück. Höchstinteressiert fixiert sie das fliessende Wasser, traut sich dicht heran, greift mit den Pfötchen nach den Wassertropfen, die sich an den Beckenrand verirren. Ist der Wasserhahn abgestellt, das Gebiet also gesichert, wird das Lavabo mit vollem Körpereinsatz in Beschlag genommen. Liegen gebliebene Wassertropfen schleckt Ike weg, dann drückt sie ihr Köpfchen gegen den Wasserhahn, jongliert am Beckenrand und holt sich ihre morgendliche Extraportion Streicheleinheiten. Ach ja, Karlchen ist natürlich mit von der Partie. Allerdings mit Bedacht. Während Ike sich den Gefahren des Nass aussetzt, liegt Karlchen gaaanz lang ausgestreckt auf dem Badezimmerboden und beobachtet. Aufmerksam und mit grösster innerer Ruhe. Aufregung oder Nervosität scheinen ihm nicht nur Fremdwörter sondern schlichtweg unbekannt. Dafür bricht bei mir morgens mittlerweile regelmässig Hektik aus, da ich vor lauter Streicheln, Liebkosen, Guten-Morgen-Katzenunterhaltung, Katzen-raus-aus-dem-Kleiderzimmer, nein-Katzen-gehören-auch-nicht-ins-Schlafzimmer-auch-wenn-sie-sich-noch-so-geschickt-hineinmogeln, Wo-habe-ich-gleich-meine-Schlüssel?, Tschüss-Ike-und-Karlchen, Hallo-Joachim-wie-war-der-Sport? - also irgendwie ist morgens definitiv mehr los in unserem Haus.

Am Tag, Teil 1 (Montag bis Mittwoch) Tagsüber sind Joachim und ich nicht im Haus, also schalten und walten Karlchen und Ike in ihrem Reich. Das Katzenzimmer - ein dreistöckiges Penthouse mit 24-Stunden-Zugang zur Dachterasse inkl. Kiwi (oder auch Outdoor-Katzen-WC) - bekommt den beiden bestens. Der unterste Stock ist Sammelbecken für alle Mäuse und Bällchen, die im Laufe des Tages nichts mehr halten kann. Und hin und wieder sind auch die Schuhkartons etwas derangiert (die Schuhe haben Ike und Karlchen bereits eine grosse Papiertüte abgetreten). Wir wissen nicht genau, was sich abspielt, wenn wir nicht da sind. Aber gespielt wird, so viel steht fest.

Am Tag, Teil 2 (Donnerstag bis Sonntag) An diesen Tagen ist fast immer einer von uns zu Hause. Das sind die Tage, an denen die grosse Tür in unser Reich geöffnet ist. _àMKKKKKKKKKKKKKKKK. Also, das war gerade Ikes Beitrag. Sie hat die Computertastatur gern. Und den Bildschirm, vor allem, wenn sich etwas darauf bewegt. Wie gesagt, wenn Joachim und ich zu hause sind, dann wird die Wohnung geteilt. Fast. Die Schlafzimmer sind tabu, das Kleiderzimmer ist unter Beaufsichtigung ok, das Arbeitszimmer ist ein bisschen tabu, aber ohne einen von uns für Ike und Karlchen sowiese nicht von Interesse. Zentral ist das Sofa im offenen Wohn-Ess-Bereich. Unser Sofa besteht aus fünf verschiedenen Modulen. Ein Modul ist mittlerweile ganz klar in Karlchens Besitz übergegangen. Ike mag sich zwischen den weiteren vier Modulen noch nicht recht entscheiden, und befindet sich daher nach-wie-vor im Probeliegen-Modus. Auf allen Modulen! Wir sitzen mittlerweile da, wo die Katzen uns Platz geben.



Am Abend. Herzliche Begrüssung, wenn wir uns den lieben langen Tag nicht gesehen haben. Um 20 Uhr, in der Woche manchmal auch später, gibt es feines Nassfutter. Ike und Karlchen lieben es. Nach dem Essen ist Unterhaltung angesagt. Dann wird gespielt, getobt und die Wohnung unsicher gemacht ...
Aber dazu ein anderes Mal mehr. Wir haben so viel zu erzählen, erleben so viel tolle, lustige, schöne, rührende Momente mit Karlchen und Ike. Es liesse sich ein ganzes Buch damit füllen. Liebe Frau Kern, wir sind überglücklich mit den beiden Kätzchen. Und auch die beiden haben sich gegenseitig gern. Sie kämpfen spielerisch miteinander - Karlchen ist dann kaum wiederzuerkennen, Ike gibt klar den Ton an (noch) und achtet dabei sehr darauf, Karlchen nicht zu viel Contra zu geben. Sie teilen ihr Fressen, fressen hin und wieder auch aus einem Napf. Und manchmal dösen sie gemeinsam vor sich hin, sucht die eine die Nähe des anderen.
Karlchen hat sich ganz toll entwickelt. Er reagiert mittlerweile auf unsere Gesichter und Rufe - also, wenn er will. Er wächst wie ein Weltmeister. Und er ist ein ausdauernder Spieler. Es interessiert ihn mehr, den Ball zu behalten, als ihn zu fangen.

Anders Ike. Sie ist eine Jägerin. Das Fangen muss Herausforderung sein, einfaches Spiel langweilt sie. Es muss schnell sein, fast unmöglich den Ball zu kriegen. Dann ist es nach ihrem Geschmack.

Das Schmuseverhalten der Beiden ist ganz unterschiedlich. Karlchen liebt es am ganzen Körper gestreichelt zu werden. Dann streckt er sich der Länge nach, rollt sich auf den Rücken und schnurrt schnurrt schnurrt. Er zuckt nie weg, ist mega beweglich - wir nennen ihn auch unseren Yoga-Kater - und sehr sehr samtpfotig. Seine Krallen bleiben im Kontakt mit uns eingezogen. Auf den Arm genommen werden, das mag er wiederum nicht. Ist ihm wohl irgendwie zu nah.

Anders Ike. Sie liebt es, auf dem Arm zu sein, mag herumgetragen und dabei gestreichelt werden. Dann schnurrt sie, legt ihr Köpfchen auf meine Schulter und schliesst die Augen für eine kurze Weile. Sie muss immer da sein, wo wir sind. Arbeite ich, legt sie sich neben den Computer auf den Tisch. Am liebsten auf einen Stapel Papier. Verbaut Joachim den Durchgang zur Dachterrasse des Nachbarn - Ike ist dabei. Nichts bleibt unbeobachtet. Und kommt Besuch, dann ist Ike neugierig und eine sehr offene Kommunikatorin. Sie gibt jedem eine Chance, gemocht zu werden. Auch kleinen, motorisch noch etwas ungeschickten Kindern.





So, nun aber tatsächlich Schluss für diesen Brief. Der nächste folgt.


Liebe Frau Kern
Nun wohnen Karlchen und Ike seit drei Monaten bei uns. Beiden geht es prächtig. Und ich starte mit "beiden geht es prächtig", denn was jetzt folgt, braucht diese Gewissheit. Viel ist passiert.

Wildfang Ike ist von der Dachterrasse in den Innenhof gestürzt. Ein vierzehn Meter tiefer Fall auf die Betonplatten. Ich war zu der Zeit - kurz vor Weihnachten - in Hamburg. Joachim hat an den Unglückstag gearbeitet. Er kam um 20:30 Uhr nach Hause und machte eiligst das Katzendinner parat, das normalerweise um 20 Uhr kredenzt wird. Karlchen streifte um seine Beine, von Ike keine Spur. Die ganze Wohnung hat er durchsucht, einschliesslich der Tabu-Zimmer, in die die beiden immer wieder einmal versehentlich und unbemerkt schlüpfen. Nichts. Dann hat er die Dachterrasse abgesucht - die Katzenpfötchenspuren im Schnee verfolgt …

Der Blick über das Geländer schaffte die grausame Gewissheit - unten ein Abdruck in der frischen, ca. drei Zentimeter hohen Schneedecke. Joachim ist sofort runtergelaufen und da schrie ihm Ike auch schon kläglichst entgegen. Sie hatte sich zwei Meter an einen geschützten Ort geschleppt und blutete am Kinn. Joachim hat sie sofort ins Tierspital gebracht. Das erste Abtasten machte den Tierarzt zuversichtlich, ein erstes Röntgen noch am selben Abend war leider nicht möglich. So blieb uns das bange Warten auf die Ergebnisse des nächsten Tages. Es war noch ungewiss, ob z.B. die Blase einen Riss bekommen hatte oder andere Organe durch den tiefen Fall beschädigt wurden.

Röntgenaufnahmen und Ultraschalluntersuchungen brachten Gewissheit: Ike hat den Sturz ohne Knochenbrüche oder innere Verletzungen überlebt. Sie blieb zwei Tage zur Beobachtung im Spital, ass bereits am ersten Tag wieder und wollte am zweiten Tag spielen. Zeit also, wieder nach Hause zu kommen.

Karlchen war während der zwei Tage besonders anhänglich. Und begrüsste Ike entsprechend freundlich, als sie endlich endlich wieder da war. Karlchen wollte sofort spielen, merkte aber schnell, dass Ike für grobes Geraufe noch nicht zu haben war. Sie frass die ersten Tage nur vorsichtig - das Fressen tat ihr noch weh, ihr aufgeschlagenes Kinn war noch nicht verheilt und wahrscheinlich war der Kiefer noch verstaucht.

Am Montag ist Ike gestürzt - und als ich am Sonntagabend aus Hamburg zurückkam, habe ich Ike den Unfall bereits nicht mehr angemerkt. So gut hat Joachim sie gehegt und gepflegt, so toll hat sie sich erholt. Sie tollte mit Karlchen, frass wie immer, sprang aufs Lavabo und in die Küchenspüle … einzig etwas dünn schien sie mir und beim Balancieren noch etwas unsicher und wackelig - so, als hätte sie ihr Gleichgewicht noch nicht ganz zurück.

Nachdem sie sich erholt hatte, folgte auch schon das nächste grosse Ereignis: die Kastration. Karlchen hatte mittlerweile seine Milchzähne verloren und der Tierarzt hatte uns eine Kastration auf Mitte Januar empfohlen, wenn wir denn nicht mit Nachwuchs rechnen wollten. Und auch wenn Ike und Karlchen unsere Goldschätze sind - eine Mischung aus beiden wollten wir dann doch lieber nicht riskieren.

Gesagt, getan. Karlchen war schon am Tag des Eingriffs wieder der Alte - also fast … Und Ike brauchte etwa drei Tage, da der Eingriff bei Katzen umfangreicher ist. Die Narben sind nach ca. 2 Wochen gut verheilt. Und nun freuen wir uns auf ein liebes, möglichst langes 2010 ohne tierärztliche Eingriffe.

Karlchen und Ike geht es allerbestens. Die beiligenden Fotos, die nach der Kastration entstanden sind, sprechen Bände. Und charakterlich ergänzen sich die beiden perfekt: Ike ist unsere kommunikationsstarke, wachsame, wasser-besessene Zauberin und Macherin. Ohne sie geht nichts. Wir warten noch auf den Tag, an dem sie uns den Kochlöffel aus der Hand nimmt. Karlchen ist unser verschmuster Yogi- und Wellness-Kater. Yogi, weil ich noch nie nie nie eine so bewegliche, ammutige Katze gesehen habe. Wellness, weil er jede Aufmerksamkeit unsererseits damit quittiert, sich auf den Rücken zu werfen und in die "Streichel-mich-jetzt-Haltung" zu fallen.

Liebe Frau Kern, in guten wie in schlechten Zeiten - Ike und Karlchen sind unsere Allerliebsten. Haben Sie ganz ganz herzlichen Dank für die Vermittlung und Ihre Beratung.


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