Gina & Robin

Zwei der ursprünglich sehr, sehr scheuen Katzen,
die im Alter von etwa 3 Wochen mit der Mutterkatze zu Frau Kern nach Boppelsen gebracht wurden.


Liebe Frau Kern
Nun ist es rund 10 Monate her, seitdem meine Wohnung auch von meinen beiden Katzen bewohnt wird.
Sie haben mich gebeten, Ihnen einen Bericht zu schreiben, wie sich meine beiden bei mir eingelebt haben, um auch andere Menschen dazu zu ermutigen, sehr scheue Katzen von Ihnen bei sich aufzunehmen. Es ist ziemlich genau ein Jahr her, seit ich Sie angerufen habe, um mich zu informieren, ob das Halten von Wohnungskatzen keine Tierquälerei ist.
Ich liebe Katzen seitdem ich denken kann und ich wollte einer Katze aus dem Tierheim ein zu Hause geben. Ich hatte mich übers Internet schlau gemacht, bei welchem Tierheim ich also eine für mich geeignete Katze holen könnte. Meine Situation ist so, dass ich von meinem Vermieter ausschliesslich eine Wohnungskatze halten darf, denn mir wurde untersagt, eine Katzenleiter oder ähnliches aufzustellen.

Im Internet sah ich dann diesen kleinen roten Kater, in den ich mich sofort verliebte. Ich war überzeugt davon, dass er schon längst vergeben war, doch im Gespräch mit Ihnen stellte sich heraus, dass genau dieses Kätzchen und zwei weitere aus diesem Wurf noch frei sind. Allerdings machten Sie mich mehrere Male darauf aufmerksam, dass alle drei (ursprünglich vier, doch eines der Kätzchen war schon weg) enorm scheu sind. Sie wiederholten, sie seien nicht verwildert, aber sehr, sehr scheu und bräuchten genügend Zeit, um sich an „ihren Menschen“ zu gewöhnen. Dann aber würden sich super Katzen aus ihnen entwickeln.

Ich wollte zwei aus diesem Wurf. Besonders den roten kleinen Kater, der speziell scheu war – der scheueste von allen.


„Die Schwarze“ im Alter von 2-3 Monaten auf dem Katzenhof in Boppelsen 2013.
Heutiger Name: GINA
Brüderchen „der Rote“ mit den zwei weiteren Geschwistern im Alter von 2-3 Monaten und ihrer Mama auf dem Katzenhof in Boppelsen 2013.
Heutiger Name: ROBIN



Rückblende. Mitte Februar 2014.

Nachdem ich von Frau Kern instruiert wurde, wie ich vorgehen sollte, um es den zwei Katzen so einfach wie möglich zu machen, sich bei mir einzuleben, holte ich die beiden vom Katzenhof Boppelsen zu mir. Zu diesem Zeitpunkt waren sie etwa 10 Monate alt.
Wie mit Frau Kern besprochen, hielt ich meine beiden neuen Mitbewohner also erst mal nur in der Küche, wo ich einen Teil des Küchenregals für sie freigeräumt hatte, die Futterstelle davor aufbaute und zwei Katzenkistchen im Raum aufstellte.
Die beiden verkrochen sich nach ihrer Ankunft sofort in die hinterste Ecke der Küche und hielten sich mehrere Tage dort versteckt. Die geleerten Futternäpfe und die gefüllten Kistchen wogen mich in Sicherheit, dass es den beiden soweit gut ging. Sie frassen und verdauten, lebten also noch.
Sooft ich konnte, verbrachte ich meine Zeit auf dem Küchenboden. Ich ass, las und hielt sogar ein paar Nickerchen dort, als plötzlich – etwa nach einer Woche – die kleine Schwarze, die ich Gina nannte, mein ausgestrecktes Bein beschnupperte. Wieder vergingen etwa 3 Tage, als sich zuerst Gina und dann auch der rote Kater Robin während meiner Anwesenheit heraustrauten und sich ganz vorsichtig den nahe ihrem Versteck aufgestellten Futterschälchen näherten und aus ihnen frassen.
Für mich waren das unbeschreiblich freudige Momente! Ich sah die beiden nun in ihrer vollen Pracht!
Nach und nach öffnete ich – wie mit Frau Kern abgesprochen - meine Wohnung für sie. Erst den Gang und das Wohnzimmer, später das Bad und noch später mein Schlafzimmer.
Da ich in einer 2.5-Zimmer-Wohnung in Zürich lebe, versuche ich, den beiden tagsüber, wenn ich zu Hause bin, die ganze Wohnung zugänglich zu machen. Nachts und wenn ich ausserhalb des Hauses bin, ist das Badezimmer geschlossen, um einen Raum zu behalten, der nur manchmal offen steht für die zwei. Gewählt habe ich für diesen Anlass das Badezimmer und nicht wie es üblich wäre das Schlafzimmer, da das Schlafzimmer Fenster zur Strasse hat, was meinen zwei Katzen etwas Abwechslung mit neuen Sinneseindrücken bietet.
Gina hat sich zu meiner „kleinen Frechen“ oder auch meiner „Kämpferin“ entpuppt. Sie ist unglaublich neugierig! Diese Tendenz zeigte sich auch schon bei Ihnen, Frau Kern, als ich Sie das erste Mal in Boppelsen besuchte, um mir die Katzen anzusehen. Schon da bemerkte ich, dass dieses schwarze Kätzchen trotz ihrer unglaublichen Vorsicht Fremden gegenüber, doch eine ganz taffe Kleine ist.

Nachdem ich im Mai 2014 von einer (obligatorischen) Studienreise zurückkehrte, während der eine gute Freundin von mir ein paar Tage zu den Katzen geschaut hatte, wunderte ich mich, warum keine Wattestäbchen mehr am gewohnten Ort waren. Ich habe immer einige Wattestäbchen in einer kleinen Porzellantasse griffbereit unterhalb des Badezimmerspiegels. Hatte meine Freundin ihre Ohren so gründlich bei mir geputzt, dass sie keine mehr in der Tasse übrig liess? Später, beim Staubsaugen, entdeckte ich an die acht Wattestäbchen unter dem nahegelegenen Fussabtreter. Nun verstand ich die Welt nicht mehr: Warum um alles in der Welt hatte meine Freundin die Stäbchen genommen und sie unter diesen kleinen Teppich geschmissen? Ich schüttelte diese verwirrenden Gedanken ab und putzte fröhlich weiter.
Einige Tage später ertappte ich Gina dabei, wie sie sich an die neu aufgestellten Wattestäbchen ranmachte. Hah! Jetzt war auch bei mir der Groschen gefallen. Ich lernte einmal mehr, dass sich mein Leben mit diesen beiden Raubtierchen definitiv geändert hatte.
Sie klaut mir also Wattestäbchen aus dem Badezimmer!
Seitdem bewahre ich die Stäbchen im Badezimmerkästchen hinter der Spiegelfront auf. Damit aber nicht genug. Dieser kleine schwarze Panther gibt nicht so leicht auf und miaut mich jeden Morgen an, wenn ich im Bad vor dem Spiegel stehe!




Gina wartet aufs Wattestäbchen


Gina und ich haben jetzt ein Abkommen miteinander: Sie bekommt jeden Tag maximal zwei Stäbchen in Folge (wenn sie noch ganz sind, auch wieder die alten). Ginge es nach ihr, würde ich nichts anderes machen, als ihr Wattestäbchen auszuhändigen.

Die Wattestäbchen sind Ginas absolutes Lieblingsspielzeug. Sie wirft sie in die Luft, springt hinterher, lauert den Wattestäbchen auf und tollt mit ihnen herum. Dabei gelangen sie jeweils an den Rand des Fussabtreters, unter dem sie alsbald verschwinden, wenn sich das schwarze Pelztätzchen scharrend oder stossend an sie ranmacht.

Wie wahrscheinlich die meisten anderen Katzen auch, mögen meine keine lauten Geräusche, wie etwa jene eines Mixers, Staubsaugers oder Entsafters.
Als ich kürzlich im Badezimmer stand und eine frisch gewaschene Bluse, die ich am nächsten Tag anziehen wollte, über der Badewanne föhnte, kam mir die mutige, eher klein gebliebene Gina heroisch zur Hilfe! Sie wollte mich scheinbar vor dem Föhn beschützen. Sie bäumte sich auf und schlug mit ihrem Vorderpfötchen mit herausgefahrenen Krallen gegen die Badewanne. Ihr Schwanz war auf ein Mehrfaches aufgeplustert, die Pupillen weit geöffnet, die Ohren leicht nach hinten gelegt. Ich zeigte ihr, dass alles in Ordnung war und sagte ihr, dass es mir gut gehe. Daraufhin zog sie sich wieder zum Schlafen zurück.
Morgens kommt Gina jeweils zu mir ins Bett, um sich ihre Streicheleinheiten zu holen.
Robin ist eher der Gemütliche, der sich erst mal genügend Zeit lässt, um Gina ausprobieren zu lassen, was Gefahren birgt und was nicht. Er ist nicht besonders risikofreudig im Vergleich zu seiner Schwester. Dafür lässt er sich unglaublich gerne hochnehmen und knuddeln. Ich bin auch schon mehrmals über ihn gestolpert, als er einfach vor mir stehen blieb und gestreichelt werden wollte. Dabei kennt er kaum Grenzen. Ich kann ihn sachte streicheln, etwas gröber „durchkneten“, hochheben – er liebt alles, was mit Berührung zu tun hat. Abends kommt er regelmässig zu mir aufs Sofa, und streckt und reckt sich beim Streicheln so, dass er dabei auch schon einige Male vom Sofa gefallen ist.
Auf dem letzten der am Schluss angefügten Bilder liegt er in einem Korb, der die Länge von 47 cm aufweist. Er füllt den Korb in der Länge praktisch aus, ist also ein ganz schön grosser Kater.

Wenn Besuch kommt, verschwinden die zwei augenblicklich, sodass oft nicht mal ich weiss, wo sie sich befinden. Bleibt ein Besuch (Einzelperson) länger und das Gespräch wird schön leise und ruhig geführt, kommen sie schon mal raus und schleichen geduckt herum. Dabei erinnern sie fast ein bisschen an tiefgelegte Sportautos ?.
Meinem Freund, der selbst zwei Katzen hat, ist es innerhalb weniger Wochen mehrmals gelungen, Gina von Hand zu füttern. Natürlich habe ich da eine gewisse Vorarbeit geleistet, indem ich mich irgendwann dazu entschieden hatte, ihnen eine Zeit lang ihr Trockenfutter manuell zu verabreichen, um sie noch mehr an mich und somit an die Nähe des Menschen zu gewöhnen. Auch kam Gina zuerst ein paar Mal zu mir und vor einigen Tagen auch zu meinem Freund auf den Schoss, während wir fernsahen.
Robin hat sich bisher erfolgreich vor jeglichem Besuch auf Distanz gehalten. Sobald sich aber die Wohnungstür hinter meinen Besuchern schliesst, erscheinen die beiden, als ob nichts gewesen wäre und halten sich dann die nächste Zeit stets in meiner Nähe auf.

Frau Kern, ich bin jeden Tag aufs Neue glücklich, diese beiden Katzen zu haben!! Sie bereichern mein Leben ununterbrochen und die Fortschritte, die ich auch heute noch beobachten darf, lassen mein Herz höher schlagen! Ich bereue keinen einzigen Tag, mich für diese zwei Katzen entschieden zu haben und würde es jederzeit wieder tun, wenn ich erneut vor dieser Entscheidung stünde!

Danke für Ihre kompetente Beratung, auch Ihre Warnungen, ob ich mir dessen bewusst bin, worauf ich mich einlasse und Ihre Zuversicht, dass das ganz tolle Katzen sein werden! Ich glaubte – ebenso wie Sie – an die beiden und sie haben mich nicht enttäuscht!

DANKE und nochmals DANKE!
Liebe Grüsse Barbara J.

Fotogalerie

Anmerkung: In den ersten Wochen und Monaten konnte ich überhaupt keine Fotos von den beiden machen.
Später verschwanden sie, sobald ich sie mit dem Handy oder der Kamera fokussierte.
Aber schliesslich und endlich gelingt es mir doch hin und wieder, Fotos von Gina und Robin zu schiessen.


Gina liegt unwahrscheinlich gerne auf dem Rücken und streckt alle viere von sich. Bisher habe ich es noch nicht geschafft, ein solches Foto von ihr aufzunehmen, da sie meist gleich guckt was los ist, wenn ich mich ihr mit der Kamera nähere.



Gina ruht sich auf der warmen Fensterbank aus.



„Schiefer Turm von Pisa? Noch nie gehört!“



Bevor ich auf den Auslöser drücken kann, hat Gina oft bereits wieder ihre Position geändert.



Der kleine schwarze Panther hat eine neue Schlafmöglichkeit entdeckt. Das schwarze Fell bietet auf dieser Tasche bei gedimmtem Licht eine unglaublich gute Tarnung!



Robin steht mir bei Prüfungsvorbereitungen treu zur Seite.



„Ach ne, schon wieder ein Fotoshooting?“




„…lass mich doch bitte schlafen….“










Copyright Barbara J.