Caramello & Miranda


Hallo

Ich bin Caramello und die Schwarze ist meine Schwester Miranda. Wir geniessen die Ruhe und machen gerade ein Nickerchen.

Wir waren eine ganze Weile auf dem Katzenhof bei Frau Kern. Eines Tages kamen zwei andere Menschen, die haben uns und unsere anderen Geschwis-ter ganz genau beobachtet. Miranda hat sich immer versteckt und ich war auch ganz zurückhaltend. Man weiss ja nie, was das für Leute sind.... Und ein paar Tage später kam die Frau wieder und hat uns mitgenommen. Wohin geht es denn jetzt? Wir hatten Angst und ich miaute auf dem ganzen Weg kläglich. Miranda duckte sich nur in die Ecke ihrer Kiste.

Die Frau trug uns in den Kisten in ihre Wohnung und öffnete sie. Ich schaute ganz interessiert umher. Hier war alles neu, die Gerüche waren fremd und ich überlegte lange, ob ich meine Kiste verlassen soll oder nicht. Doch ich wagte es schliesslich und tastete mich langsam durch die Stube und beschnupperte alles. Miranda sass immer noch ganz zusammengeduckt in ihrer Kiste und schaute verstört umher. Plötzlich bewegte sich die Frau und Miranda nahm einen Sprung, rannte in eine Ecke und versteckte sich hinter einer Boxe. Dort blieb sie dann für die nächsten sechs Stunden, schaute ängstlich hervor und fauchte, sobald sich etwas in ihrer Nähe bewegte. Ich wollte jedoch auskundschaften, was es hier alles gibt. Aber plötzlich wollte mich die Frau berühren und ich beschloss, mich auch in die Ecke zu verziehen.

Später kam dann noch der Mann nach Hause und wir hatten noch mehr Angst. Beide redeten immer ganz lieb mit uns, aber das nützte noch nichts. Doch ich habe dann gemerkt, dass das "unsere neuen Menschen" sind.

Die kommende Nacht war schlimm, ich musste die ganze Nacht ganz herzzerreissend miauen und es konnte niemand schlafen. Sie kamen immer wieder und redeten mit uns, boten uns Futter an und versuchten uns zu beruhigen. Miranda hatte ein neues Versteck in einer anderen Ecke gefunden. Fressen wollte sie auch nichts. Am nächsten Tag wurde ich schon etwas zutraulicher und ich wagte es sogar, die Treppe hinaufzugehen, es gibt hier nämlich noch ein Dachzimmer. Dort fand ich ein viel besseres Versteck unter einer grossen Stoffente, die in einer Ecke steht. Als die Menschen weggingen, zeigte ich Miranda das Versteck und als die Menschen zurückkamen, konnten sie uns zuerst nicht finden.



Wir blieben dort und gingen wieder auf Erkundungstour, als die Menschen schlafen gingen. Allerdings musste ich wieder nur immer weinende Miaue von mir geben, bis die Frau das Licht anzündete. Das half und ich hatte nicht mehr so grosse Angst.

Am dritten Tag war ich schon etwas zutraulicher. Die Menschen durften mich berühren. Sie setzten sich auch immer neben unser Versteck und sprachen mit uns. Ich war überzeugt, dass sie uns nichts tun werden. Miranda brauchte etwas länger.



Inzwischen haben wir uns mit "unseren Menschen" angefreundet und wir sind auch sehr anghänglich geworden. Wir tun alles, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Wir kämpfen miteinander und spielen und schauen immer, ob sie uns beobachten. Wir betteln, wenn sie am Tisch sitzen und essen und ab und zu kriegen wir auch ein Häppchen ab.

Wir wissen auch schon, dass wir nicht auf den Tisch oder die Küchen-abdeckung springen dürfen. In der Nacht sprang ich trotzdem wieder einmal hoch und plötzlich bewegte sich ein Tablar und viel laut scheppernd hinunter. Ich erschrak, rannte quer durch die Wohnung und fand schliesslich Schutz unter dem Bett, wo die beiden vorher schliefen. Jetzt standen sie auf und fanden die Scherben in der Küche. Die Frau schimpfte mit mir. Aber weil ich so erschrocken bin, werde ich sowieso nicht mehr hochspringen, es wäre also gar nicht nötig....

Ausserdem haben wir noch die Pflanze abgebissen, die durch die ganze Wohnung gezogen war. Da hatten sie auch keine Freude. Sie versuchen jetzt immer noch, sie neu zu ziehen und zu retten, aber ich glaube, das geht nicht so einfach. Bestimmt werden wir noch mehr Dummheiten machen, aber ich glaube, sie werden uns immer wieder verzeihen.


Was ist wohl da draussen alles los?


Copyright Irene Meier, Januar 2005