Angelo


Die ersten Tage von Angelo (ehemals Mustafa) im neuen Zuhause

16. Oktober 2003
Heute bin ich aus dem Katzenhof zu meiner neuen Familie nach Schönenbuch gezogen. Bevor ich in den Transportkorb gestiegen bin, habe ich meinen neuen Herrchen einen Schrecken verpasst. Ich war so clever mich im Zimmer mit der Futterverwahrung einsperren zu lassen. Sie haben überall nach mir gesucht und gerufen. Ich hab keinen Mucks von mir gegeben. Ich wollte einfach testen wie hartnäckig sie sind. Das Frauchen hat gesagt: "Ich gehe nicht ohne ihn. Und wenn ich Stunden nach ihm suchen muss."

Die Reise dauerte eine Stunde und "Cravallo" - nicht unbedingt mein bester Freund - war so nett mir ein Präsent auf die Reise mitzugeben. Er hat freundlicherweise in meinen Reisekorb gepinkelt. Neben dem mächtigen Gestank, war ich schon ein bisschen nervös aber Frauchen sass hinten bei mir und hat mich die ganze Reise über mit lieben Worten und Streicheleinheiten beruhigt. Wahrscheinlich hat mein "engelhafter" Blick sie auch dazu bewogen mich sofort Angelo zu taufen. Typisch Italienisch aber passend.

Na ja nach einer Stunde Atem anhalten sind wir dann in meinem neuen Zuhause angekommen. Ich habe sofort mein eigenes Zimmer bekommen mit Netztüre damit ich alles sehe was passiert. Ich wäre lieber in der ganzen Wohnung rumspaziert aber aus Rücksicht auf die Hausherrin "Melissa" (Kätzin) werde ich mich vorerst ein bisschen zurück halten. Ich habe alles was ich brauche: Ein Riesensofa, eine Kiste, ein Kratzbaum, Futter & Wasser, Katzenkiste und Spielsachen, Fenster mit Aussicht etc. Toll war, dass sie sich - obwohl sie noch nichts gegessen haben - zuerst um mich gekümmert haben und mich gestreichelt, geknutscht und fotografiert haben. Ich glaube sie wissen, dass ich Sie mag. Vor allem das Frauchen umgarne ich wie ein kleiner Macho.

Melissa hat sich kurz vor meiner Tür blicken lassen. Zuerst hat Sie mich angekuckt und dann fünfmal angefaucht und dann ging sie von dannen. Ich habe gehört, dass mein Frauchen Melissa an der Hand riechen liess und scheinbar gefiel ihr was sie roch. Sie hat sogar ihren Finger abgeleckt. Die werde ich auch noch um die Pfote wickeln.

Mein Einstand war aber nicht nur herzig. Ich habe nach ein paar Häppchen das gesamte Futter rausgekotzt. Aber Frauchen und Herrchen haben nur gelacht. Das Frauchen hat mich sogar während des Erbrechens sanft gehalten und gestreichelt. Mit der Zeit mussten aber auch beide aus meinem Zimmer denn schliesslich müssen auch sie gewissen Bedürfnissen nachgehen. Nach anfänglichem Gejammer meinerseits und beruhigenden Worten Ihrerseits habe ich mich unters Sofa platziert und behalte ständig den Flur im Auge. Während der Nacht habe ich kein Auge zugemacht das hat auch mein Frauchen zu spüren gekriegt. Ich habe so laut geheult, dass sie bei mir geschlafen hat aber das half nichts. Wahrscheinlich hatte ich ein wenig Heimweh nach dem Katzenhof.


17.10.03
Ein neuer Tag und ich fühle mich sichtlich wohler. Nur schade dass ich die ganze Zeit in diesem Zimmer hocke. Melissa schaut immer mal vorbei und wenn ich zu Nahe ans Gitter komme faucht und knurrt Sie aber trotzdem spüre ich ein gewisses Interesse Ihrerseits. Heute haben Frauchen und Herrchen immer wieder vorbeigeschaut und mit mir gespielt und mich gestreichelt. Aber da ich die ganze Nacht nicht geschlafen habe war ich ziemlich müde und habe den ganzen Tag mehr oder weniger geschlafen. Auch huste ich ab und zu ein bisschen was mein Frauchen ziemlich beunruhigt hat. Wahrscheinlich blüht mir in zwei Wochen der Tierarzt damit man mich kontrolliert vor allem wegen den Zähnen. Frauchen und Herrchen haben übrigens festgestellt, dass ich unglaublich furzen kann. Und wenn ich mein grosses Geschäft verrichtet habe rufe ich Sie damit Sie saubermachen kommen, denn schliesslich sitze ich im selben Raum und der Gestank schmeckt auch mir nicht besonders.

18.10.03
Während der Nacht habe ich geschlafen wie ein Herrgöttchen und da ich Frühaufsteher bin mit meinem Gejammer alle um 5h30 aus den Federn geholt. Frauchen kam dann zu mir ins Zimmer und hat sich auf dem Sofa hingelegt. Irgendwie hat mich das angesteckt und ich habe mich unters Sofa gelegt und es Ihr gleich getan. Heute erwarten Sie Besuch daher konnten Sie nicht so oft und lange bei mir sein. Sie mussten Wohnung putzen und kochen etc. Ich habe auch zum ersten Mal mein Zimmer mit dem Schlafzimmer tauschen müssen samt Gittertüre damit Sie sauber machen konnten. Unweigerlich habe ich auch entfernte Bekanntschaft mit dem Staubsauger gemacht. Was für ein Ohrenbetäubender Lärm. Ich hab mich sofort verzogen. Der Besuch war sichtlich begeistert von mir. Teresa - die Schwester von meinem Herrchen - kam mit Frauchen zu mir rein und durfte mich streicheln. Ich bin zufrieden mit meinem neuen Zuhause.


19.10.03
Wieder habe ich alle um 6:00 Uhr früh mit meinem Gejammer aus den Federn geholt. "Ich will hier raus!!!!". Endlich mal den Rest von meinem neuen Zuhause kennen lernen. Aber solange Melissa mich anfaucht und anknurrt läuft gar nichts. Wieder kamen Frauchen und Herrchen zu mir ins Zimmer. Es gab so gar eine Fotosession und anschliessend wurde ich mit vielen Streicheleinheiten so müde gemacht dass ich mich unters Sofa verzog um zu schlafen. Sie gingen dann auch wieder ins Bett. Ich hab immer noch ein bisschen Husten.

20.10.03
Diese Nacht habe ich gut geschlafen und auch der Rest der Familie. Geweckt habe ich Sie aber durch mein Geschäft im Katzenkistchen. Ich scharre wie blöd, bis der ganze Sand nur noch auf einem Haufen liegt. Das macht Spass. Ansonsten ging Sie mir bis abends nicht so besonders. Ich war ständig müde, hatte keinen Appetit und auch sonst zu nichts Lust. Frauchen machte sich schon Sorgen. Das ging sogar so weit, dass Sie bei mir Fieber gemessen hat. Aber das hatte ich zum Glück nicht. Vielleicht liegt's am Wetter. Frauchen hat die Türe heute einen Spalt offen gelassen, so dass Melissa hereinkommen konnte. Sie hat sich von selbst getraut und das ganze Zimmer abgeschnuppert. Ich sass mit Herrchen auf dem Sofa und Melissa ist bis auf einen Meter Abstand in meine Nähe gekommen.

21.10.03
Heute ging es mir bedeutend besser. Und ich bin auch langsam ungeduldig. Mir stinkt es, ständig in diesem Zimmer zu hocken. Ich habe zwar alles was ich brauche aber langsam möchte ich mich ein bisschen mehr bewegen. Melissa steht ab und zu vor der Tür. Sie traut sich auch reinkommen aber Sie faucht und knurrt mich immer noch an. Sonst verhält Sie sich ganz normal. Wird wohl nicht einfach Ihr Herz zu gewinnen.

15.11.03
Mittlerweile bin ich schon einen Monat im neuen Zuhause und darf seit geraumer Zeit mein Zimmer verlassen.
Melissa ist ziemlich launisch. Mal faucht Sie mich an, mal schauen wir uns tief in die Augen.

Melissa

Ich bin auch ziemlich frech. Ich gehe in Ihr Kistchen und fresse manchmal aus Ihrem Napf obwohl ich in meinem Zimmer alles vorhanden habe. Am liebsten halte ich mich bei meinem Frauchen im Büro auf. Ich darf den ganzen Tag bei Ihr sein. Sie hat extra eine Schlafmatte hingelegt. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass mich meine neuen Besitzer auf keinen Fall mehr hergeben werden, und das ist gut so.


Copyright Petra De Meo
Schönenbuch, 15. November 2003